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15.12.2018

Manchmal bleibt nur die Bypass-Operation
 
Zehn Vorträge von Medizinern zum Thema Herzgesundheit
Der Bluthochdruck stand im Mittelpunkt eines Vortragsabends in der Stadthalle. Es wurden neue Erkenntnisse und Methoden vorgestellt.

Von Eva Bäumler-Braun

Prof. Reifart im Herzkatheterlabor
Prof. Reifart im Herzkatheterlabor

Hofheim. Der Herzspezialist: Professor Nicolaus Reifart.

Wann ist ein hoher Blutdruck behandlungsbedürftig, und welcher Wert ist nach neuesten Erkenntnissen eigentlich wünschenswert? Hat das Implantieren von Stents mittlerweile die Bypass-Operation überflüssig gemacht? Und welche Diät taugt tatsächlich zur kardiovaskulären Prävention? Zehn Vorträge hatte das Team der Kardiologischen Praxis von Professor Dr. Nicolaus Reifart zum Thema Herzgesundheit gehalten, und wie jedes Jahr war die Stadthalle voll Platz besetzt. Reifart, Chefarzt der Medizinischen Klinik I/Kardiologie am Bad Sodener Krankenhaus, hat kürzlich eine Dependance seiner Sodener Praxis am Hofheimer Krankenhaus eröffnet, wo sich ebenfalls ein Katheter-Labor befindet, um bei einem drohenden Gefäßverschluss schnellst mögliche medizinische Versorgung leisten zu können.

Nach oben korrigiert
Ein Hauptthema des Abends war der Bluthochdruck, der oft am Anfang einer koronaren Herzkrankheit (KHK) steht. Lange Zeit habe man als optimalen Ruhe-Blutdruckwert immer 120/80 mmHg propagiert, sagte Dr. Stefan Schüßler, Leitender Arzt der Medizinischen Klinik I. "Dies ist mittlerweile nach oben korrigiert worden. Der Wert sollte sich zwischen 130 bis maximal 139 zu unter 90 mmHg einpendeln." 25 Prozent dieser Werte dürften im Rahmen von 24 Stunden auch darüber liegen, so Schüßler. Während die Medizin lange befürwortete, den Druck mit aller Macht zu senken, habe man jetzt mehr Augenmerk auf die Nachteile eines mit Medikamenten dauerhaft unter 125/85 mmHg gesenkten Drucks gelegt, so der Internist und Kardiologe. Denn wichtig ist, dass der Blutdruck schwingungsfähig bleibt, sich also den verschiedenen Situationen des Tages anpassen kann. Ein zu stark gesenkter Druck, womöglich noch mit einer Mangeldurchblutung des Gehirns als Folge, kann daher eher fatale Konsequenzen haben.

Abnehmen ist wichtig
Dass eine Gewichtsreduktion positiven Einfluss auf den Blutdruck hat, ist bekannt, doch wie die Kardiologin Dr. Zahide Özkan-Rashed ausführte, konnten jahrelang durchgeführte Studien bislang nicht belegen, dass sowohl weder fettfreie Nahrung, noch die viel gerühmte Mittelmeerkost "einen nachweisbaren, Sterblichkeit senkenden Effekt" haben. "Verwenden Sie aber stets hochwertige, ungesättigte Fette, und ernähren Sie sich mit einer an Vollkorn, Obst und Gemüse reichen Kost", empfahl die Kardiologin. "Gepaart mit wenigstens 150 Minuten moderater körperlicher Aktivität pro Woche senken Sie damit Blutdruck, Gewicht und auch das Risiko an Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs zu erkranken", ergänzte der Königsteiner Mediziner PD. Dr. Arno Schöneberger. Wenn aber nun doch bereits eine Herzgefäßverengung vorliegt, müssen die Kardiologen entscheiden, ob der lang erprobte Bypass die Rettung verspricht oder das Implantieren eines Stents, der das Gefäß aufweitet.

Wie Dr. Kiriakos Giokoglu erklärte, spricht bei einer geringgradigen Gefäßverengung mit wenigen Verzweigungen vieles für das Einsetzen eines oder mehrerer Stents. Der Vorteil liege eindeutig darin, dass die Patienten am nächsten Tag schon wieder fit und belastbar seien. Negativ zu bewerten sei jedoch die Rezidivgefahr, also die Möglichkeit, dass sich die behandelte Engstelle des Gefäßes erneut verengt und einen weiteren Eingriff nötig macht. Der Bypass hingegen ist ein deutlich invasiveres und belastenderes Verfahren, was zudem auch deutlich teurer ist. "Wenn sich allerdings mehrere Gefäße vom Hauptstamm ab massiv verengt haben, ist die Bypass-Operation auf jeden Fall das Mittel der Wahl", sagte Giokoglu. "Es gibt also immer nur die ganz individuelle Entscheidung analog zur Anamnese des Patienten, und die Diagnose wird im Katheter-Labor gestellt und nach Anzahl und Lokalisation der Stenose (Engstelle) bewertet." Bei dieser Untersuchung können auch gleich Stents eingesetzt werden. Und hier arbeiten Mediziner gerade fieberhaft an einem Novum: dem auflösbaren Stent, denn bislang stellen die kleinen Teilchen oft das Problem dar, nicht vernünftig "einzuheilen" und Entzündungen hervorzurufen, wie der Kardiologe Dr. Dariush Enayat in seinem Vortrag schilderte. "Diese Entzündungen vernarben irgendwann, und das Narbengewebe verursacht wiederum eine Stenose. Somit liegt unsere Hoffnung derzeit auf den resorbierbaren Stents, die jedoch noch in der Erprobung sind."

Artikel aus dem Höchster Kreisblatt vom 20. November 2011, 21.30 Uhr (letzte Änderung 21. November 2011, 04.24 Uhr)